Bekannt wurde Clemens August Kardinal Graf von Galen vor allem durch seinen furchtlosen Kampf gegen die Nationalsozialisten. Tatsächlich rechnete er mit seiner Inhaftierung, jedoch wollten die Machthaber damit bis nach dem „Endsieg“ warten, da sie Angst vor der eigenen Bevölkerung hatten, welche den Kardinal sehr schätzte. Wenn nicht anderes angegeben stammen die nun folgenden Daten aus Heitmann, Clemens: Clemens August Kardinal von Galen 1878-1949.

Hier die wichtigsten Stationen seines Wirkens. Wenn Sie auf den Link klicken, erhalten Sie mehr Informationen auf verschiedene Art und Weise (Videos, PDFs, etc.). 

29.10.1933: Bischhofsweihe und Wahlspruch „Nec Laudibus – Nec Timore“

1934: Osterhirtenbrief gegen die Irrlehre des Nationalsozialismus

17.05.1934: Die „Oldenburgische Volkszeitung“ aus Vechta (dem Heimatlandkreis des Bischofs) legte den (oben angeführten) Osterhirtenbrief im vollen Wortlaut ihrer Zeitung bei, woraufhin sie einen scharfen Verweis von der Regierung erhielt. Der Bischof verfasste daraufhin umgehend ein Protestschreiben an Propagandaminister Dr. Goebbels, welches hier angesehen werden kann. (Quelle: Heimatblätter, 8. April 1978.)

1934: Veröffentlichung der anonymen Schrift „Studien zum Mythus des 20. Jahrhunderts“, welche sich gegen die in „Der Mythus des 20. Jahrhunderts“ aufgezeigte Rassenideologie richtete. Von Galen brachte sie als Beilage zum kirchlichen Amtsblatt seiner Diözese unters Volk.

1935: Fastenhirtenbrief gegen die neue Bewegung

06.09.1936: Predigt in Xanten gegen den Totalitätsanspruch der Nationalsozialisten

November 1936: Im „Südoldenburger Kreuzkampf“ (= Kampf der dortigen, vorwiegend kath. Bevölkerung die gegen den Erlass des 4. Nov., welcher die Abnahme des Kreuzes in  kath. und des Lutherbildes in  ev. Schulen sowie ein Verbot von kirchlichen Schulweihungen besagte) kam dem Bischof eine begleitende Rolle zu. Am 27.11. (zwei Tage nach der berühmt-berüchtigten Kundgebung in der Cloppenburger Münsterlandhalle), dankte der Bischof in einem Hirtenbrief seinen „treuen Heimatgenossen und Landsleuten“, die erkannt hätten „welche unheilvolle Entwicklung sich hier anbahnt (und) selbst die Hände geregt (…) und ohne Menschenfurcht Zeugnis abgelegt (hätten)“. (vgl. Oldenburgische Volkszeitung vom 25.11.2016, S.19)

1937: Beteiligung an der Erstellung der päpstlichen Enzyklika „Mit brennender Sorge“, welche sich gegen die Lehren und Praktiken des Nationalsozialismus wandte

April 1937: Stellungnahme zur Verweigerung eines Schulbesuches in Friesoythe

Juni 1938: Von Galen protestierte heftig gegen die Ausweisung des bischöflichen Offizials (Franz Vorwerk) für Oldenburg. Dieser hatte sich für den Erhalt der Konfessionsschulen und gegen die Einführung der „Deutschen Gemeinschaftsschule“ausgesprochen.

1938: Planung einer Predigt für die Juden. Die jüdische Bevölkerung Münsters brachte ihn jedoch davon ab, da sie befürchteten ihre Lage damit nur noch zu verschlimmern. (vgl. Heinz Mussinghoff, S. 71.)

1940: Persönliche Einführung eines neuen bischöflichen Offizials für Oldenburg (Dr. Johannes Pohlschneider) und zwar gegen den erklärten Willen der Regierung.

13.07.1941: Predigt gegen die Beschlagnahmung von Klöstern, die Vertreibung von Ordensleuten und gegen die Methoden der Gestapo

15.07.1941: Als Folge dieser Vertreibungen stellte er den Benediktinerinnen vorübergehend (bis 1945) seine elterliche Burg in Dinklage zur Verfügung.

20.07.1941: Predigt zur Ermahnung der Treue im Glauben (gegen die Regierung). Eine Kopie der handschriftlichen Aufzeichnungen des Kardinals zu dieser Predigt stellte uns Pfarrer Johannes Kabon zur Verfügung.

04.08. 1941: Predigt für das Lebensrecht Aller. Besonders für die Alten und Kranken.

04.07.1943: Predigt gegen Rache, Vergeltung und Feindeshass.

20.08.1944: Inhaftierung seines Bruders Franz Graf von Galen, als Racheakt gegen sein Wirken.

01.07.1945: Predigt gegen die Behauptung einer Kollektivschuld aller Deutschen

18.02.1946: (Kardinalserhebung mit anschließendem) Besuch deutscher Kriegsgefangener in Italien

16.03.1946: Rede beim Empfang nach seiner Rückkehr (auf seinem Geburtstag) über seine Beweggründe zum Kampf gegen den Nationalsozialismus

Quellen:

  • Heitmann, Clemens: Clemens August Kardinal von Galen 1878-1949. Friesoythe: 1996. S. 1-13.
  • Karte, Andreas und Ulrich Suffner: Kreuzkampf jährt sich heute zum 80. Mal. In: Oldenburgische Volkszeitung vom 25.11.2016. S.19.
  • Kuropka, Joachim: Nur ein totes Bild – nur ein Holzkreuz? Vor 80 Jahren Kreuzkampf in Oldenburg und die Schwierigkeiten des Erinnerns. In: Heimatbund für der Oldenburger Münsterland (Hrsg.): Jahrbuch für das Oldenburger Münsterland 2017. S. 26-41.
  • Mussinghoff, Heinz: Rassenwahn in Münster – Das Judenpogrom und Bischof Clemens August Graf von Galen. 1989. In: Timmermann, Heiner (Hrsg.): Die Rolle des politischen Katholizismus in Europa im 20. Jahrhundert, Volume 1. 2009. S.71.
  • Die Ausschnitte der Predigten stammen aus Löffler, I. und II.
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